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Eine Frage der Chemie: Geruch von Frauentränen dämpft männliche Aggressionen

Der Geruch von Frauentränen wirkt sich auf das aggressive Verhalten von Männern aus. Das legt zumindest eine Studie nahe, deren Ergebnisse im Fachblatt „PLOS Biology“ veröffentlicht wurden. Wie die internationale Forschungsgruppe unter Leitung von Shani Agron vom Weizmann Institute of Science in Israel berichtet, verringere das Schnuppern an emotionalen Tränen bestimmte Gehirnaktivitäten, die in Zusammenhang mit Aggression stünden.

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Für ihren Versuch rekrutierte das Team sechs Frauen, die nach eigenen Angaben nah am Wasser gebaut waren, und ließ sie traurige Filme schauen. Die Freiwilligen im Alter zwischen 22 und 25 Jahren fingen ihre Tränen in einem Röhrchen auf, im Schnitt kamen dabei 1,6 Milliliter Tränenflüssigkeit zusammen. Zuvor ließen die Forschenden eine Kochsalzlösung die Wangen der Frauen hinunterlaufen, die sie ebenso auffingen und als Kontrollflüssigkeit nutzten.

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Im nächsten Schritt führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrere Experimente mit 31 Männern durch, die sie an der Salzlösung und den Frauentränen riechen ließen. In einem der Experimente spielten die Probanden ein Spiel, welches bewusst darauf ausgelegt war, sie zu provozieren. So wurde den Männern im Spielverlauf der Eindruck vermittelt, ihr Mitspieler würde sie betrügen. Die Versuchsteilnehmer konnten sich daraufhin an diesem rächen, indem sie ihn im Spiel um sein Geld brachten, was die Forschungsgruppe mit aggressivem Verhalten gleichsetzte.

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Menschliche Tränen enthalten ein chemisches Signal

Jenes rachsüchtige, aggressive Verhalten während des Spiels nahm der Studie zufolge um mehr als 40 Prozent ab, schnupperten die Männer an den Frauentränen. Die Wiederholung des Experiments in einem MRT-Scanner ergab, dass zwei mit Aggression zusammenhängende Hirnregionen – konkret: der präfrontale Kortex und die Inselrinde – aktiver wurden, wenn die Probanden während des Spiels provoziert wurden. Jene Regionen wurden in den gleichen Situationen aber nicht so aktiv, wenn die Männer an den Tränen rochen. Je größer der Unterschied dieser Hirnaktivität war, desto seltener rächten sich die Versuchsteilnehmer.

Das Forschungsteam sieht einen Zusammenhang zwischen Tränen, Hirnaktivität und aggressivem Verhalten: Dieser deute darauf hin, dass soziale Chemosignale ein Faktor für menschliche Aggression seien und nicht nur eine Erscheinung bei Tieren. Tatsächlich hatten einige frühere Studien bereits ergeben, dass etwa Tränen von Mäusen Pheromone enthalten, welche Aggressionen bei den Männchen hemmen.

Von Pheromonen in den Frauentränen des Versuchs sprechen die Autorinnen und Autoren allerdings nicht, sondern sie schreiben allgemeiner: „Wir fanden heraus, dass menschliche Tränen, genau wie bei Mäusen, ein chemisches Signal enthalten, das die Aggression von männlichen Artgenossen blockiert. Dies widerspricht der Vorstellung, dass emotionale Tränen nur beim Menschen vorkommen.“

In der Studie werden auch Schwächen der Arbeit benannt, darunter unter anderem die Tatsache, dass nicht untersucht wurde, wie Frauen auf den Geruch von Tränen reagieren. Dies liege daran, dass die Entnahme des Stimulus – also der Tränen – zu kompliziert und kostspielig sei. Angesichts der Geschlechtsunterschiede bei der Verarbeitung sozialer Chemosignale im Gehirn müssten die Experimente aber mit Frauen wiederholt werden, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

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Tränen beinhalten chemischen Schutz gegen Aggressionen

Zudem seien die berichteten Ergebnisse schwächer ausgefallen, als sich die Männer in einem MRT-Scanner befanden: „Dies ist angesichts des Unbehagens unserer Teilnehmer an Scannertag zwei vielleicht nicht überraschend, aber es bleibt eine Einschränkung.“ Nichtsdestotrotz schließt die Studie: „Wir vermuten, dass Tränen ein säugetierweiter Mechanismus sind, der einen chemischen Schutz gegen Aggression bietet.“

Schon 2011 hatte eine Arbeit des gleichen Instituts im Journal „Science“ vermeldet, dass der Testosteronspiegel bei Männern sinke, wenn sie Frauentränen riechen: Darin enthaltene chemische Signale würden die männliche Lust dämpfen. Mehrere Versuche des niederländischen Psychologen Ad Vingerhoets, diese Ergebnisse zu bestätigen, scheiterten jedoch. Dies berichtete Vingerhoets – der seit mehr als 20 Jahren zu der Frage forscht, warum Menschen weinen – 2017 im Fachblatt „Cognition and Emotion“.

Wenn es eine Substanz in weiblichen Tränen gebe, die eine dämpfende Wirkung auf die sexuelle Erregung von Männern habe, sei dieser Einfluss bestenfalls sehr schwach und beeinflusse sicherlich nicht immer alle Männer in ihrer sexuellen Funktion, schrieben Vingerhoets und sein Team damals und schlossen: „Weinen scheint also seine starke Wirkung auf andere eher durch seine akustischen und visuellen Aspekte als über einen chemosensorischen Weg auszuüben.“

RND/dpa


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