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Digital Detox: Alpen-Urlaub ohne Handy im „Offline-Dorf“

Mails checken, durch Instagram und Facebook scrollen oder Nachrichten lesen: Schon vor dem Aufstehen startet der Tag für viele Menschen mit dem Griff zum Handy. Dass sich die Bildschirmzeit im weiteren Tagesverlauf auf mehrere Stunden summiert, wird oft gar nicht realisiert.

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Die Lösung erscheint zunächst simpel: Einfach mal das Handy weglegen und den PC ausschalten. Doch das fällt vielen Nutzerinnen und Nutzern laut wissenschaftlichen Studien schwer, denn das unterbewusste Verlangen nach Unterhaltung und Information setzt sich schnell in den Köpfen fest. Die Folge: Statt sich mit der realen Umgebung auseinanderzusetzen, schauen immer mehr Menschen in jeder freien Minute auf das Smartphone.

Digital Detox: Immer mehr Reiseveranstalter greifen Trend auf

Zumindest im Urlaub versuchen deshalb immer mehr Reisende, sich von der digitalen Welt zu lösen. Die Reiseunternehmen greifen diesen Trend seit einigen Jahren vermehrt auf.

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Ein Mann sitzt neben seinem Laptop auf einem Steg vor einem Bergsee. Immer mehr Reisende suchen gezielt nach Orten ohne Wlan und Mobilfunkempfang.

Auszeit in den Bergen: Immer mehr Reisende suchen gezielt nach Orten ohne WLAN und Mobilfunkempfang.

Sie werben zum Beispiel für Digital Detox in der Wüste von Namibia, auf einsamen Inseln in Thailand und Finnland oder in abgelegen Orten in der Slowakei. Meistens beschränkt sich das Angebot aber schlichtweg darauf, dass es dort weder WLAN noch Mobilfunkempfang gibt.

Ein neues Projekt in Österreich geht nun einen Schritt weiter. Kommunikations-Designerin Linda Meixner hat ihren Heimatort Gargellen in Österreich kurzerhand zum „Offline-Dorf“ erklärt und will Besucherinnen und Besucher mithilfe von weiteren Forscherinnen und Forschern auf dem Weg zu einem „gesunden Umgang mit smarten Geräten“ begleiten.

Auf Entzug von der unbewussten Handy-Sucht

Mit den Nebenwirkungen der Handynutzung kennt sich die Jungunternehmerin bestens aus. Sie ist Instagram-Influencerin mit aktuell 120.000 Followern und hat für ihre Masterarbeit 66 Tage lang unter therapeutischer Begleitung komplett auf ihr Handy verzichtet. Die Resultate, darunter mehr Tiefschlaf, Konzentration und Kreativität, hat sie in einem „Offline-Manifest“ niedergeschrieben.

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Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Die handylose Zeit habe sich wie ein „kalter Entzug“ angefühlt – von einer Sucht, der sie sich gar nicht bewusst war, berichtete sie nach ihrer Auszeit. Erst nach 35 Tagen habe sie sich wirklich vom Handy lösen können.

Sonnenaufgang über dem Montafon: Der Anblick dürfte es deutlich erleichtern, das Handy zu ignorieren.

Sonnenaufgang über dem Montafon: Der Anblick dürfte es deutlich erleichtern, das Handy zu ignorieren.

Abschalten und Aufladen in Gargellen

Aus den Ergebnissen ihrer Masterarbeit hat Meixner Anfang 2023 ein touristisches Angebot entwickelt, das sich in ganzer Tiefe dem Thema Digital Detox verschreibt. Im schönen Vorarlberger Bergdorf Gargellen, das auf 1432 Metern Höhe im Montafon an der Grenze zur Schweiz liegt, legen Besucherinnen und Besucher sechs Tage lang das Handy weg. Sie entspannen beim „Sonnenaufgangs-Yoga“ mit Bergpanorama, lernen Kräuter und Meditationstechniken kennen, kraxeln auf einem Klettersteig, machen „achtsame Waldspaziergänge“, kochen Slow Food mit einem Sterne-Koch und tauschen sich am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel über ihre Erfahrungen aus.

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Die Auszeit im idyllischen Montafon ist aber nur ein Teil des Detox-Programms – genau genommen beginnt es schon zehn Tage zuvor. Vor der Anreise bekommen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Leitfaden und ein sogenanntes „Sicherheitshandy“, das die Balance zwischen digitalen und realem Leben schrittweise erleichtern soll.

Nach den Impulsen in Gargellen begleiten Forscherinnen und Forscher die Reisenden weitere 30 Tage lang mit Anleitungen und Anrufen per Video.

Drei Phasen bis zur Lebensveränderung

Hintergrund für die Vor- und Nachbereitung ist ebenfalls die Masterarbeit von Meixner. Während des Selbstversuchs hat sie drei Phasen identifiziert: In der ersten habe sie unter „extremer körperlicher und geistiger Spannung“ gestanden, in der zweiten „echte Verbindungen und Gefühle“ wiederentdeckt und in der dritten eine neue Perspektive auf ihr eigenen Leben ausgemacht. Wie für sie selbst sollen künftig auch die Besucherinnen und Besucher von Gargellen eine „nachhaltige Lebensveränderung im Umgang mit den digitalen Medien“ sowie mehr „menschliche Verbindungen und wahre Erfahrungen“ erreichen, heißt es auf der Projekt-Website.

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Das Leben passiert, während man auf dem Handy danach sucht

Noch steckt die Idee für das „Offline-Dorf“ in den Kinderschuhen, wird aber bereits von der „Österreichischen Förderagentur für wirtschaftsnahe Forschung“ unterstützt. Die Methodik soll laut Meixner mit hlfe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kontinuierlich weiterentwickelt werden. Meixner: „Wir glauben: Das Leben ist das, was um dich herum geschieht, während du damit beschäftigt bist, es in deinem Smartphone zu suchen.“

Das nächste Detox-Programm in Gargellen startet im September 2024. Es gibt bereits eine Warteliste.

Mehr Inspiration gesucht? Tipps für alle Top-Reiseziele findest du gebündelt beim reisereporter.


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